Bantam!

Sabine Wolters Gießener Maistagebuch

Eigentlich bin ich gar keine Gärtnerin, aber die Tatsache, dass die Konzerne mit Hilfe der Politik gegen den Willen der Bevölkerung Gentechnik in der Landwirtschaft durchsetzen wollen, macht mir richtig Wut und auch Angst, dass es bald keine gentechnikfreien Lebensmittel mehr geben wird. Und da ist die Bantam- Aktion ideal, um diese Energie produktiv zu kanalisieren!


2006
Angefangen habe ich im Juni 2006 mit einer Tüte Samen von der Aktion. Das waren etwa 15 Körner, daraus wurden 12 Pflanzen, die wir zunächst beim Stand der BUNDjugend Hessen zum Thema Landwirtschaft und Ernährung auf dem Jugendkirchentag in Bad Nauheim/Friedberg ausstellten. Glücklicherweise hat mein Nachbar ein Gartengrundstück am Rande von Gießen, so dass ich die Pflanzen anschließend dort aussetzten konnte.
Im Oktober habe ich etwa 20 kleine Kolben geerntet. Die meisten haben wir gedünstet und gegessen (das Geschmackserlebnis war eher fad, wie ich aber hinterher auf den Bantam-Seiten gelesen habe, hätten wir den Mais für den Verzehr viel früher ernten müssen). 4-5 Kolben habe ich getrocknet und daraus 214 Körner erhalten.

März 2007
Im März 2007 konnte man aus der Zeitung erfahren, dass die Uni Giessen eine Sortenwertprüfung für MON 810 für das Bundessortenamt durchführt. Also jetzt erst recht wieder Mais aussähen!

Mitte April 2007
Etwa 25 Körner habe ich in kleinen Töpfen ausgesät. Nach etwa 10 Tagen sieht man die ersten Keimlinge.



Mitte Mai 2007
Auf einem Stand gegen Gentechnik in der Landwirtschaft haben wir die meisten Pflanzen davon verschenkt. Natürlich haben wir immer mehrere zusammen weggegeben. Inzwischen habe ich aber schon wieder 50 Körner nachgesät. Auf dem Bild sieht man links den Keimling 10 Tage nach der Aussaat und rechts eine Pflanze, die Mitte April ausgesät wurde.



Pfingsten 2007
Ich habe den Musterbrief der Bantam-Aktion an die Uni Giessen, den Präsidenten und den Versuchsleiter geschickt. Ich bin gespannt auf die Antwort.
Über das Bantam-Mais-Forum habe ich 120 Körner meiner Nachzucht weitergeben können.



Ende Mai 2007
Ein großer Tag für meine Maispflanzen. Sie kommen ins Fernsehen! Zu sehen sind sie beim Umtopfen (das ist jetzt dringend notwendig) und Gießen. 10 Pflanzen behalte ich in Kübeln am Haus (Bild links), weitere 35 Pflanzen kommen in den Garten, 15 davon in ein Hochbeet (siehe Bild unten rechts, im Hintergrund noch die trockenen Reste der Maispflanzen vom Vorjahr).
Wer mehr über die Bantam-Aktion und den Gen-Mais in Hessen wissen möchte, kann am Sonntag, den 3.06. oder den 10.06. um 18.00 Uhr im HR-Fernsehen in die Sendung „Defacto“ schauen!




Anfang Juni
Ich habe weitere 36 Samen ausgesät. Mein Mann hat es leider zu gut mit dem Wasser gemeint, es sind etliche Körner nicht aufgegangen, wahrscheinlich sind sie ertrunken. Immerhin konnte ich je 6 Pflanzen an drei Bekannte verschenken, zwei wohnen in Heuchelheim und eine in der Weststadt von Gießen, ganz nahe am Versuchsfeld der Uni.

Der Mais in den Kübeln wächst derweil gut, der Mais im Garten tut sich etwas schwer mit dem Lehmboden, wird aber regelmäßig alle zwei Tage von mir gegossen. Endlich kommt dann Mitte Juni auch Regen in Gießen an.

Ende Juni
Da es immer schön regelmäßig geregnet hat, bin ich ziemlich lange nicht im Graten gewesen. Was ein Schreck: die Beete sind ganz schön zugewachsen. „Unkraut“ kommt auf: Ackerwinde, Acherschachtelhalm, Gundermann und Brennnessel wachsen schneller als meinen Maispflanzen. Besonders die Ackerwinde macht ihnen zu schaffen, indem sie sie als Kletterstange nutzt. Da hilft nur jäten.

Die restlichen 10 Maispflänzchen, die ich Anfang Juni noch ausgesät hatte, habe ich an einen Bekannten in Heuchelheim verschenkt. 



Anfang Juli
Der Mais in den Kübeln und im Hochbeet ist jetzt gut 1 Meter hoch. Leider haben die Maispflanzen im Lehmboden noch nicht so gut zugelegt. Ein bisschen Beikraut zupfen, ansonsten ist nicht viel zu tun, denn der Boden ist nass. Allerdings ist jetzt schon Erntezeit bei den Johannisbeeren (weiß, rot und schwarz), Stachelbeeren und Himbeeren. So macht Gärtnern Spaß!

 

 

 Der Mais hatte  zerstörungsfreien Reh-Besuch ( Bild).

 

  
Heute kam die Antwort von der Universität Gießen auf meinen Brief vom Mai. Der Versuch wurde durch "Fremdeinwirkung größtenteils zerstört" und abgebrochen. Man gehe davon aus, daß sich der Sachverhalt zum meiner Zufriedenheit erledigt habe.

Mitte Juli
Zurück vom Eine-Erde-Camp der BUNDjugend Hessen (www.bundjugendhessen.de) bringe ich Maispapier mit. Das haben wir in einem Workshop selbst geschöpft aus den zerkochten und pürierten Fasern der Hüllblätter, die um die Maiskolben liegen. Diese Blätter hatte ich schon letztes Jahr gesammelt und getrocknet, eigentlich um damit zu flechten. Nun sind sie halt zu Papier geworden, auch sehr schön (siehe Bild). Man nimmt dazu vier Handvoll getrocknete Maisblätter und weicht sie über Nacht in 4-5 l Wasser ein, anschließend kocht man sie mit 20g Natron etwa 45-60 min bis sie ganz weich sind. Danach gießt man den Sud durch ein Haushaltssieb und wäscht die Fasern gut aus. Man kann sie auch noch pürieren, bevor die Pulpe dann in eine mit Wasser gefüllte Wanne kommt und das Papier geschöpft werden kann.

 

Ende Juli
Der Mais ist in den Kübeln jetzt über 2 Meter hoch und blüht (siehe Bild). Zuerst schieben sich an der Spitze der Pflanze die männlichen Fahnen hervor und entfalten sich. Deutlich sieht man die Pollensäckchen an dünnen Fäden hängen. Weiter unten in den Blattachseln bilden sich die weiblichen Blütenstände, bei denen sich aus den grünen Hüllblättern die zarten Fäden der Narben schieben  und immer länger werden, erst zart hellgrün, wenn sie älter werden in der oberen Hälfte rötlich anlaufend (siehe Bilder).

 

 

 

 

 

 Anfang August

Auch im Garten blüht der Mais jetzt, die Pflanzen im Hochbeet sind ebenfalls über 2 Meter hoch geworden und blühen alle. Die Pflanzen, die ich in den lehmigen Boden gesetzt habe, sind jetzt etwa 1,3 Meter hoch und blühen zum überwiegenden Teil. Beim Hochbeet entferne ich noch einmal reichlich Brennnesseln und Ackerwinde, die den Mais ganz schön zugewuchert hat. Jetzt sieht man gut die Stützwurzeln, die der Mais ausgebildet hat (siehe Bild).

 



Auf dem Mais tummeln sich die Insekten, ein Blatt ist schwarz vor Blattläusen, doch die Marienkäfer als ihre Fraßfeinde sind schon im Anmarsch (siehe Bild).

 

 

 

 

 

 

Außerdem fliegen die Bienen die Fahnen an und holen sich den Pollen. Gut zu erkennen sind auf dem Bild die dicken Höschen an den Beinen, wo sie den Pollen sammeln (siehe Bild). Von wegen reine Windbestäubung! Da frage ich mich, ob die Sicherheitsabstände im neuen Kabinettsbeschluss (150 m bei konventionellen Futtermais und 300 m beim ökologischen Anbau) ausreichend sind….

 

 

 

 

 

 

 

 

Mitte August

 

 

 

Zeit zum Ernten! Zumindest die Kolben, die soweit sind, dass sie gegessen werden können. Zunächst wird der Kolben enthüllt. Die Hüllblätter sind Wohnstätte für Blattläuse aber auch Marienkäferlarven und Ohrenkneifer. Von den Blättern trockne ich die schönsten für die Papierherstellung bzw. das Flechten.

 

 

 

 

 


Und auch der Maisbart (das sind die feinen, weißen bis hellgrünen Griffel der Maisblüte, die um den Kolben liegen) wird getrocknet, denn ihn kann man als Tee verwenden. Maisbarttee wirkt harntreibend, sowie beruhigend und entspannend auf Entzündungen der Harnwege. Nach der traditionellen chinesischen Medizin harmonisiert und entspannt er vor allen Dingen den Gallenblasenmeridian und kann längere Zeit als Haustee getrunken werden.

 

 

 

Wir probieren den Mais gleich roh direkt nach der Ernte. Er ist ganz zart und frisch, der Geschmack leicht süßlich und erinnert etwas an Apfel. Nun gibt es demnächst also immer wieder frische Maiskolben!

Mitte September

Nach dem Urlaub geht es als erstes in den Garten. Wie es dem Mais wohl geht? Er steht prächtig und die meisten Pflanzen haben große Kolben entwickelt, z.T. sogar zwei pro Pflanze. In den Blattachseln haben sich Ohrenkneifer ein Versteck gesucht. Auch einige Blattläuse haben es sich zwischen den Blättern, die um die Kolben liegen, gemütlich gemacht. Ich ernte die Hälfte der Maiskolben, es kommen 20 (!) zum Teil richtig dicke Kolben zusammen. Die schmecken roh vorzüglich. Ich nehme sie mit auf das Freizeitnachtreffen der BUNDjugend Hessen nach Frankfurt. Sie finden – in kleine Stücke geschnitten – guten Zuspruch. Zwei besonders schöne Maiskolben hänge ich zum Trocknen in den Keller. Sie erwarten nun die nächste Saison 2008!

Anfang Oktober

Ich ernte die restlichen Maiskolben. Inzwischen haben auch große Tiere die Schmackhaftigkeit (und Nahrhaftigkeit) der Maiskolben entdeckt, ich muss also ein bisschen Schwund hinnehmen. Trotzdem kann ich immer noch 14 Stück ernten. Davon kommen drei weitere Prachtexemplare zum Trocknen in den Keller, den Rest nehmen wir am 3. Oktober mit zu einem Grillfest und legen sie auf den Grill.

 

 

Die Blätter der Maiskolben werden aufgebogen, der Maisbart entfernt und der Kolben mit Butter bestrichen. Dann werden die Blätter wieder um den Kolben geklappt und zugebunden. Der Kolben kommt für 15-25 min auf den Grill (ab und zu wenden). Anschließend werden die Blätter wieder aufgeklappt und der Kolben mit Salz und Pfeffer gewürzt (aus: Vegetarisch Grillen, pala Verlag, Darmstadt). Lecker! Das Ganze funktioniert – wie ich später austeste - auch im Gasherd sehr gut.

Schicken Sie uns Ihre Bilder!

Hier findet auch Ihr Bantam-Mais einen Platz. Senden Sie uns Ihre Fotos von Bantam-Mais-Aktionen, Pflanzen und originellen Anbauorten!

Bantam in der Presse

Was die deutsche Tagespresse über Bantam-Mais zu berichten weiß, können Sie hier lesen.

Karin Ehrle-Horst, Agrar.-Ing.

"Je süßer desto besser!"

Zwerg mit Bantam Mais